Warum ich Signal als privaten Messenger bevorzuge
English translation: 🇬🇧 Why I prefer Signal messenger with friends and family | Chinesisch: 🇹🇼 留個聯絡方式吧
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Telefonnummern bitte
Viele Menschen haben die Telefonnummern ihrer Freunde gar nicht mehr, weil sie sich nur über social media hinzugefügt haben – obwohl sie sich seit Jahren kennen. Das ist fragil. Accounts werden gesperrt, Plattformen verschwinden, und mit ihnen die Kontakte.
Es ist auch nicht besonders emanzipiert. Warum macht man sein privates Netzwerk von einer Plattform abhängig, deren Geschäftsmodell darin besteht, einem nur Werbung auszuspielen?
Telefonnummern gibt es seit über 150 Jahren, seit 1879. Die internationalen Ländervorwahlen (z. B. +1 für die USA, +49 für Deutschland, +886 für Taiwan) wurden in den 1960er-Jahren standardisiert. Telefonnummern sind eine eindeutige Kennung, die weltweit verstanden wird. Warum nutzen wir sie nicht?
Wenn wir in Kontakt bleiben wollen, sollten wir unsere Telefonnummern (und E-Mail-Adressen) austauschen, statt uns in kommerzielle Plattformen einsperren zu lassen. So bleiben wir unabhängig erreichbar.
Mein bevorzugter Messenger: Signal
Download: https://signal.org – erhältlich für Android, iOS, MacOS, Windows, Linux uvm.
Warum Signal? Weil es open-source, kommzerfrei, dezentral und gemeinfrei ist.

Wenn du Signal noch nicht installiert hast, probier es einfach kurz aus – vielleicht erscheinen schon beim ersten Start viele deiner Kontakte automatisch, weil sie längst dort sind.
Messenger-Vergleich
Diese Tabelle vergleicht die Features von Signal im Vergleich zu kommerziellen Messenger-Plattformen.
| Kriterium | Signal | Line | Telegram | iMessage | ||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Open Source | ✅ | ❌ | ❌ | ❌ | ❌ | ❌ |
| Plattform-unabhängig (Windows, MacOS, Linux, Android, iOS) | ✅ | ✅ | ❌ (keine Linux-App) | ✅ | ❌ (nur auf Apple-Geräten) | ❌ (keine Desktop-App) |
| Verschlüsselung (1-zu-1) | ✅ (open source) | ✅ (proprietär¹) | ✅ (proprietär¹) | ❌/✅ (optional pro Chat, proprietär¹) | ✅ (proprietär¹) | ❌ (seit 2026 abgeschaltet) |
| Verschlüsselung (Gruppen) | ✅ (open source) | ✅ (proprietär¹) | ✅ (proprietär¹) | ❌ | ✅ (proprietär¹) | ❌ (seit 2026 abgeschaltet) |
| Desktop ↔ Mobile Sync | ✅ | ✅ | ✅ | ✅ | ❌ (nur auf Apple-Geräten) | ✅ |
| Werbefrei | ✅ (non-profit Stiftung) | ❌ | ❌ | ❌ | ✅ | ❌ |
| Frei von kommerziellen Zusatz-Features (Zahlungen, Shops …) | ✅ | ❌ | ❌ | ❌ | ❌ | ❌ |
| „… schreibt“ abschaltbar | ✅ | ❌ | ❌ | ❌ | ❌ | ✅ |
| Gemeinnützigkeit | ✅ Gemein- nützige Stiftung | ❌ Konzern | ❌ Konzern | ❌ Privatunternehmen | ❌ Konzern | ❌ Konzern |
¹ Bei proprietärer Verschlüsselung muss man blind vertrauen, dass der Anbieter keine Hintertüren einbaut oder Fehler übersieht – prüfen kann das niemand außerhalb der Firma. Das Wort “proprietär” kommt von englisch “Property”, also Besitztum. Die Verschlüsselungsmethode befindet sich ausschließlich im Besitz des Anbieters, nicht der Allgemeinheit. Bei Open Source liegt der Code hingegen offen: unabhängige Expertinnen durchleuchten ihn laufend, finden Schwachstellen schneller und können sie gemeinsam schließen.
Häufige Einwände & Antworten
„Aber meine Freunde sind gar nicht auf Signal …“
Du wirst überrascht sein: installiere Signal, erlaube einmal das Abgleichen deines Adressbuchs und du siehst sofort, wer schon dort ist – oft mehr Leute, als du denkst. Und wenn es zunächst nur deine engsten Freund*innen sind, habt ihr immerhin für eure wichtigsten Chats die beste Option. Siehe auch die Tabelle: Signal verzichtet auf Werbung und unnötige Zusatz-Funktionen.
„Ich will nicht noch eine App …“
Verständlich. Gerade deshalb lohnt sich Signal: weniger Tracking, keine Werbe-Pushs und ein ruhigeres Interface bedeuten auf Dauer weniger Ablenkung als bei kommerziellen Messengern. Je mehr deiner Unterhaltungen dorthin wechseln, desto seltener musst du WhatsApp & Co. öffnen.
„Wir werden doch sowieso alle überwacht …“
Überwacht wird, wer es bequem hinnimmt; oder: Überwachung gedeiht durch freiwillige Preisgabe. Es ist Aufgabe eines jeden demokratischen Subjektes, dieser Erosion der Freiheitsrechte entgegenzutreten. Dabei zählen große und kleine Schritte, zum Beispiel:
- die Nutzung gemeinfreier Software mit sicherer Verschlüsselung
- Opt-out von Datenspeicherung bei Google und im Betriebssystem
- Vermeidung von algorithmisch gesteuerten News-Feeds
- Deaktivierung von unnützen Notifications
- Installation eines Ad-Blockers
- und so weiter…
„Aber solange nicht alle dort sind …“ (Netzwerk-Effekt)
Im Gegensatz zu Social Media braucht es auf Signal keine kritische Masse, bevor es nützlich wird.
Für die wichtigsten Gespräche (Partner, Familie, enge Freunde, Mitbewohner) reduziert jede einzelne Person, die man rüberholt, sofort die Notwendigkeit, werbefinanzierte Messenger zu öffnen. Der Netzwerkeffekt wird erst relevant, wenn große Gruppen, Communities oder Organisationen migriert werden sollen. Private 1-zu-1-Kommunikation profitiert von einem schrittweisen Vorgehen: ein Chat nach dem anderen, beginnend mit den Kontakten, mit denen man am häufigsten schreibt.
„Ich möchte meine Telefonnummer nicht weitergeben“
Kein Problem. Signal benötigt Deine Telefonnummer nur zur Registrierung, aber sie muss nicht als Kontaktweg dienen. Wenn jemand über einen QR-Code hinzugefügt wird, kann eine Verbindung hergestellt werden, ohne dass die Telefonnummer sichtbar wird. Diese kann auch nicht von anderen Signal-Nutzern weitergegeben werden. Das Hinzufügen per QR-Code ist eine einmalige, datensparsame Interaktion.
Anleitung:
- Signal öffnen → Profil → auf das @-Symbol tippen und einen Benutzernamen festlegen.
- Damit wird auch ein QR-Code generiert, der mit diesem Benutzernamen verknüpft ist.
- Freunde können diesen QR-Code scannen, um den Kontakt hinzuzufügen.
- Für Kontakte im Internet kann der QR-Code oder der Benutzername direkt geteilt werden.
Der eigene QR-Code kann auch öffentlich gemacht werden (z. B. hello.tomfichtner.com), wenn es nicht stört, von unbekannten Personen kontaktiert zu werden. Gleichzeitig lässt sich in Signal ein höheres Maß an Privatsphäre einstellen – innerhalb einer sicheren, quelloffenen und nicht-kommerziellen Plattform.
Wer betreibt Signal Messenger?
Signal wird von der Signal Technology Foundation betrieben, einer gemeinnützigen Organisation in den USA, zusammen mit ihrer hundertprozentigen Tochtergesellschaft Signal Messenger LLC, die die App und die Infrastruktur entwickelt und betreibt.
Im Gegensatz zu kommerziellen Messengern wird Signal nicht durch Werbung oder Datenverwertung finanziert. Die Finanzierung erfolgt hauptsächlich über freiwillige Spenden, die die laufenden Kosten eines globalen, verschlüsselten Dienstes decken. Siehe auch:
Privacy is Priceless, but Signal is Expensive [signal.org]
Seit Anfang 2025 spende ich 5 Euro im Monat. Spende auch Du!
Was passiert, wenn Signal einmal den Betrieb einstellen sollte?
Falls Signal eines Tages nicht mehr betrieben werden sollte, würde das Projekt nicht einfach „verschwinden“: Der Client- und Server-Code ist quelloffen (der Server steht z. B. unter der AGPL). Andere könnten ihn legal forken (also kopieren), die Entwicklung fortführen und einen kompatiblen Dienst aufbauen.
Warum Open Source entscheidend ist
Bei proprietären Apps (Line, WhatsApp, Telegram-Server, Instagram) bleibt der Quellcode geschlossen; Nutzerinnen müssen blind vertrauen, dass keine Hintertüren existieren und Daten nicht ausgewertet werden. Open Source ermöglicht unabhängige Audits, schnellere Fehlerbehebungen und – falls nötig – das Forken und Weiterführen des Projekts durch die Community. Das erhöht sowohl die Sicherheit als auch die digitale Souveränität der Nutzerinnen.

Aber was ist mit Matrix?
Matrix ist ein wichtiges Open-Source-Projekt, welches eine ähnliche Philosophie wie Signal verfolgt – es würde ebenfalls in meiner o.g. Tabelle alle grünen Haken bekommen, genau wie Signal. Es geht aber noch einen Schritt weiter geht: Matrix ist eine vollständig dezentrale Multi-Server-Architektur, ähnlich wie Mastodon. Das macht es komplett widerstandsfähig gegenüber böswilligen Übernahmen und sonstigen Ausfällen. Aber Dezentralität bringt aber auch gewisse Unsicherheiten in der User Experience mit sich.
Es gibt einen Grund, warum Mastodon eine Nische bleibt, während Bluesky schnell gewachsen ist. Die große Masse bevorzugt Dinge, die “einfach funktionieren”, mit möglichst geringer Komplexität. Und wie weiter oben schon geschrieben: so einfach kann man auch Signal nicht mehr vom Netz nehmen. Falls man mit den Entscheidungen der Signal Foundation nicht einverstanden sein sollte, kann man es forken, so wie alle anderen Open-Source-Projekte auch.
Meiner Ansicht nach bleibt Signal der klare Spitzenreiter unter den datenschutzfreundlichen Open-Source-Optionen. Für normale 1-zu-1-Kommunikation ist seine Zentralisierung sogar ein Vorteil: eine App, eine gemeinnützige Organisation, ein klarer Onboarding-Prozess, eine Empfehlung, die man seinen Freunden und Verwandten ohne großen Erklärungsaufwand geben kann.
Es gibt einen Grund, warum dieser Artikel mit „holt euch die Telefonnummern eurer Freunde“ beginnt. Das ist der erste Schritt hin zu Freiheit und Plattformunabhängigkeit – um Menschen aus der Abhängigkeit von dominanten kommerziellen Plattformen zu lösen.
Als Open-Source-Enthusiast möchte ich daher dazu aufrufen, Signals Aufstieg jetzt zu untergraben, nur weil es vornehmlich noch nicht „rein genug“ ist. Dem Reflex ideologischen Fragmentierung sollte man nicht unkritisch nachgeben.
Matrix ist großartig, keine Frage: ein dezentral organisiertes Netzwerk, man kann seinen eigenen Homeserver betreiben, seine eigene Domain nutzen und alles lokal hosten. Das macht es besonders interessant für Community-Chats, Unternehmen und alle, die etwas von Grund auf neu aufbauen wollen. In solchen Zusammenhängen kann es Discord, IRC, TeamSpeak, Microsoft Teams, Slack und ähnliche Werkzeuge komplett ersetzen.
Ja, es kann auch als privater Messenger dienen.
Dennoch würde ich allen meinen Freunden empfehlen, zunächst mit Signal zu beginnen. Wer etwas von Grund auf aufbauen möchte – oder einfach ein Backup haben will – sollte sich als Nächstes mit dem Matrix-Ökosystem vertraut machen.
Teilt diesen Artikel gern mit euren Freunden und schickt mir euer Feedback. Ihr findet meine Telefonnummer und meinen Signal-Kontakt auf hello.tomfichtner.com.
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